Die Wälder - Mit Lisa Münzer über den Lebensraum Wald (Teil 1)

Die Wälder - Mit Lisa Münzer über den Lebensraum Wald (Teil 1)
© Lisa Münzer

Ein Spaziergang durch den Wald bringt gute Laune und lädt zum Entspannen ein. Wir genießen den Ausblick, die Ruhe und vor allem die unterschiedlichen Geräusche von Tieren und Bäumen. Doch wenn wir uns etwas Zeit nehmen und uns den Wald genauer ansehen, eröffnet sich ein ganz neuer Lebensraum für uns. Die Steirerin Lisa Münzer ist leidenschaftliche Waldpädagogin und angehende Kräuterpädagogin. Sie kennt den Wald, wie manch andere ihre Handtasche. Mit ihrem Beruf schafft sie Bewusstsein bei der neuen Generation und zeigt die Wichtigkeit der Artenvielfalt und Ökologie im Wald auf. Wir finden dieses Thema interessant und haben sie zu einem Gespräch mit uns eingeladen. 

Im ersten Artikel der Serie Lebensraum Wald erklärt uns Lisa die ökologischen Zusammenhänge und was ein Wald eigentlich braucht, um natürlich wachsen und gedeihen zu können.

Wald
© Videk

Im Gespräch

Videk: Lisa, du bist gelernte Waldpädagogin und machst gerade die Ausbildung zur Kräuterpädagogin. Wie bist du zu diesen Ausbildungen gekommen?

Dass das Thema Wald mein Steckenpferd ist, wurde mir während meiner Jagdausbildung immer klarer. Das führte mich auch dazu, eine Ausbildung als Waldpädagogin zu machen. Zur gleichen Zeit studierte ich auch Erwachsenen- und Weiterbildung im Masterstudium an der Karl Franzens Universität in Graz, wo mein Schwerpunkt auf Umweltbildung lag. Nach dem erfolgreichen Abschluss als Waldpädagogin, konnte ich die ersten “Berufserfahrungen” sammeln. Schnell wurde mir klar, dass ich mein Wissen erweitern möchte und weitere Ausbildungen zum Thema Wald und Umwelt besuchen. So führte mich eines zum anderen und ich begann eine Ausbildung als Kräuterpädagogin.  Weiters freue ich mich nun auch Berg- und Naturwächterin zu sein. 

Videk: Was genau sind deine Aufgaben als Waldpädagogin und was ist das besondere an deinem Beruf?

Ich als Waldpädagogin schaffe eine Verbindung zwischen den Menschen und dem Wald. Dabei geht es mir vor allem darum, ein Bewusstsein für die Ökosystemleistungen des Waldes und seine damit verbundene ökonomische, ökologische und soziale Bedeutung zu schaffen. Je nach Zielgruppe gibt es ein breites Spektrum an möglichen Inhalten. Dies beginnt im Kindergarten, wo es in erster Linie darum geht, den Wald mit allen Sinnen spielerisch kennenzulernen und zu erkunden. Bis zu Schulkindern, bei denen es bereits um Wissensvermittlung zu ökologischen Zusammenhängen, natürlichen Abläufen und dem Wald als Lebensraum geht. Da ich ja auch Erwachsenenbildnerin bin, ist das eine für mich ebenfalls sehr spannende Zielgruppe. Hier kann man verschiedenste Angebote setzen. Das geht von an Waldbaden angelehnte Inhalten und Angeboten über den Bereich der Personal- und Organisationsentwicklung bis hin zur Schaffung von Verständnis für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und dessen Wichtigkeit bzw. Vorteile.

Videk: Was braucht eigentlich ein Wald, um natürlich wachsen zu können?

Betrachten wir einen zukunftsfitten Wald und den Wald im Klimawandel, so können wir die aktuelle Klimaveränderung als eine große Herausforderung für unsere Wälder und heimische Forst- und Holzwirtschaft erkennen. Der Wald bewegt sich in einem Spannungsfeld und nimmt in der Diskussion eine besondere Position ein. Österreichische Wälder und Böden nehmen CO2 aus der Luft auf - rund eine Milliarde Tonnen Kohlenstoff -  und reinigen unsere Atemluft. Außerdem stellt er erneuerbaren Energie- und Werkstoff zur Verfügung. Gleichzeitig tut sich das komplexe Ökosystem Wald jedoch schwer, sich selbst an die veränderten Gegebenheiten anzupassen.

Der Wald steht vor vielen problematischen Veränderungen. Dazu gehören unter anderem die Veränderung der Niederschlagsmuster, extreme Wetterereignisse, hohe Temperaturen, sowie ein vermehrtes Auftreten von schädigenden Insekten und Krankheiten. Auf die Frage, wie der Wald unterstützt und zukunftsfit gemacht werden kann, gibt es nur eine Antwort: eine aktive, nachhaltige und naturnahe Waldbewirtschaftung. Die in Zukunft noch notwendigere Widerstandsfähigkeit kann durch gezielte Maßnahmen, wie die Anpassung der Baumarten bzw. das Berücksichtigen natürlicher Waldgesellschaften, eine gezielte Förderung von Mischwäldern sowie einer bodenschonenden Bewirtschaftung, gestärkt werden.

Wald
© Videk

Mit naturnahe Waldwirtschaft meine ich einen Waldbau, der eine klare Naturnähe und Standortbezug hinsichtlich der Baumartenwahl hat und ein Mischwald ist. Monokulturen kommen in der Natur, so wie wir sie heute oft sehen, nicht vor. Es geht vor allem darum, dass die Wälder eine ökologische und physikalische Stabilität haben, dies ist nur mit einer standorttypischen Mischkultur möglich. Der Schwerpunkt in Bezug auf Waldverjüngung liegt bei einer naturnahem Bewirtschaftung meist bei einer natürlicher Verjüngung. Das bedeutet, dass sich am Standort natürlich vorkommende Bäume durch Samenflug und -aufschlag oder eine vegetative Vermehrung verbreiten.

Waldverjüngung
© Videk | Waldverjüngung
Waldverjüngung
© Videk | Waldverjüngung

Videk: Wie können wir uns die ökologischen Zusammenhänge im Wald vorstellen?

Das Ökosystem Wald ist in erster Linie Lebensraum. Dieser lässt sich typischerweise in Schichten bzw. Stockwerke unterteilen. 

Zur Wurzelschicht gehört alles, was wir unterirdisch, also im Boden finden.  Hier sind die Bäume, Sträucher und andere Pflanzen mit ihren Wurzeln verankert. Sie stabilisieren so den Wald und bieten einer Vielzahl von Kleinlebewesen einen Lebensraum. Dazu zählen neben Bakterien und Pilzen auch Insekten, Regenwürmer, Mäuse, Feldhamster und Maulwürfe. 

In der Moos- und Krautschicht finden wir für den Waldtyp charakteristische Moose, Flechten, Farne, Pilze und andere Pflanzen wie Gräser, Kräuter oder Blumen. Hier sind auch die meisten Insektenarten zu finden. Diese Schicht bietet u.a. Ameisen, Käfern, Spinnen, Schlangen, Füchsen, Hasen und Rehen einen Lebensraum. 

Darüber schließt fließend die Strauchschicht an, welche aus Sträuchern, Büschen und Jungbäumen entsteht. Hier leben vor allem viele brütende Vögel, aber auch Schmetterlinge und Hirsche.

Die Baumschicht ist die oberste Waldetage und schließt den Wald nach oben hin. Je nach Baumartenzusammensetzung sorgt das Blätterdach für Schatten im Wald. Die Dichte der Baumkronen ist entscheidend für die Qualität von Licht und Wasser, welche die restlichen, unterhalb liegenden Schichten erreicht. Auch die Baumschicht bietet einen Lebensraum, für diverse Kletterpflanzen, Vögel, Eulen und kletternde Tiere wie dem Eichhörnchen.

Wald
© Videk

Für alle die mehr wissen wollen: Auf Lisa's Webseite findet ihr all ihre Leistungen und Kontaktmöglichkeiten. Oder ihr schaut auf ihren Blog Unterholz vorbei. Diesen hat sie gemeinsam mit Kollegin Rosina ins Lebens gerufen. Dort teilen sie Einblicke, Erfahrungen und Wissen über den Wald und seinen Lebensraum. 

Wir gehen mit offenen Augen und Ohren durch die Natur und die Welt. Wir schauen genau hin, untersuchen, sammeln, stellen Fragen. Die „richtigen“ Antworten auf unsere gestellten Fragen zu finden wird oft dann unwichtig, wenn sich uns während der Suche (mal wieder) die wahnsinnige Vielfalt und ursprüngliche Schönheit der Natur eröffnet.” - Lisa Münzer & Rosina Huth

Zum zweiten Teil: Die Forstwirtschaft - Im Gespräch mit Lisa Münzer über den Lebensraum Wald

Die Forstwirtschaft - Mit Lisa Münzer über den Lebensraum Wald (Teil 2)
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